Ich stand verborgen im Schatten einer großen Eiche und biss mir auf die Unterlippe. Ich war viel zu gut für so einen Job. Auf meiner Schulter glitzerte immer noch Pixiestaub. Bis vor ein paar Minuten saß dort noch Jascard. Er gehörte zu den fliegenden Elfen, Pixies genannt. Auch er war wenig begeistert von unserem Auftrag. Wir sollten heute Nacht eine Fee festnehmen.
Mein Boss musste wirklich sauer auf mich sein. Und das nur, weil mir vor zwei Wochen ein Gestaltenwandler entkommen war. Es war Vollmond gewesen und der Gestaltenwandler ein Werwolf. Das hätte man mir auch vorher sagen können. Aus dem Gebüsch ein paar Meter vor uns erklang ein Miauen und ich schaute hinüber. Etwas raschelte und eine ziemlich große, aber unglaublich dünne Katze trat hervor. Sie war dreifarbig, hatte einen schwarzen, geringelten Schwanz, am Körper orange-weiß geringelte Flecken auf weißem Fell und - das war das erstaunlichste - blaue Augen. Sie miaute noch einmal und ich hatte das Gefühl, dass sie mich direkt ansah - oder sah sie nur hungrig zu Jascard? Ich kniete mich hin, streckte ihr die Hand hin und machte "Kici, kici, kici!" das typische Katzenanlockgeräusch, was mit Katzen nichts zu tun hatte, aber sie wohl gelernt hatten als ein freundliches "Komm doch mal her!" zu hören.
Jascard fragte: "Was hast du vor?! Haben wir nicht schon genug Ärger! Weißt, du nicht, dass dreifarbige Katzen vom Bösen gezeichnet wurden?"
Er setzte sich wieder auf meine Schulter und zog an meinem Ohrring.
"Ach komm schon, du glaubst doch nicht wirklich an solche Geschichten!"
Ich wedelte mit meiner Hand, um ihn von meinem Ohr zu vertreiben "Nimm mich als Beispiel, ich bin eine Hexe und habe keine schwarze Katze, sondern einen motzenden Pixie an meiner Seite."
Er flog nah vor mein Gesicht auf Augenhöhe und funkelte mich böse an, während er einen Schweif von rotem Pixistaub hinter sich her zog. Ich hatte ihn wohl verärgert.
"Auch du meine Liebe, solltest endlich mal lernen, jemanden nicht nach seiner Erscheinung zu beurteilen, das würde dir eine Menge Ärger ersparen!"
Er drehte sich von mir ab und verschwand in der Dunkelheit. Das hatte ich ja wirklich ganz toll gemacht.
Seufzend stand ich auf. "Jascard, warte!" rief ich ihm hinterher. Die Katze miaute mich scheinbar fragen an.
"Jaja, nun mach du mir auch noch Vorwürfe! Ich kann doch nichts dafür, dass er so impulsiv ist!" Ob meines Ausbruches zog sich die Katze in den Busch zurück.
"Na das hast du ja mal wieder ganz toll hingekriegt, Sarah!" schimpfte ich mit mir.
Ich schulterte mein Gewehr, steckte den Zauberstab hinter den Gürtel, packte meinen Hut und rannte Jascard nach in den Wald hinein. Nach ein paar Schritten merkte ich, dass ich keine Ahnung hatte, wohin Jascard geflogen war und blieb stehen. Der Wald vor mir war groß - und dunkel - und der Pixie klein. Zudem konnte er sich unsichtbar machen, wenn er wollte, so dass die Suche eigentlich keinen Sinn hatte. Aber ich musste ihn suchen, besser: ich musste ihn finden! Ich brauchte ihn. Ohne ihn hatte ich keine Chance, die Fee zu finden. Aber auch er brauchte mich, seit jenem schicksalhaften Tag damals...
"Jascard! Bitte, komm zurück!" rief ich in den Wald hinein.
"Es tut mir leid!"
Die Bäume vor mir wuchsen krumm und knorrig in den Weg hinein. Es schien fast, als wollten die Äste nach mir greifen. Ich blickte mich um und mir entfuhr ein Schrei. Die Katze von eben saß direkt vor mir und funkelte mich mit ihren großen roten Augen an. Ähm, Moment. Katzen sollten keine roten Augen haben - zumal sie gerade eben noch blaue Augen hatte! Und Katzen sollten mich mit solchen Augen auf gar keinen Fall auf diese Art anfunkeln. Instinktiv wich ich zurück.
Irgendetwas lief gerade verdammt schief. Ich musterte die Katze. Für eine gewöhnliche Katze, wohl kaum gewöhnlich mit diesen Augen, war sie zu groß. Beinahe doppelt so groß wie eine Hauskatze. Trotz ihrer Dürre wirkte sie geschmeidig und flexibel und irgendwie gar nicht mehr hungrig. Sie trug ein Halsband mit einem Schmuckstein.
"Na Miezi, hast du dich verlaufen?" Ich versuchte die Tatsache mit den roten Augen zu ignorieren, aber meinen Herzschlag konnte ich davon nicht überzeugen. Die Katze erhob sich, schüttelte langsam den Kopf und kam einen Schritt auf mich zu.
'Verdammt Jascard, wo steckst du?!' Ich wich einen weiteren Schritt zurück. Miezi grinste mich bösartig an und sprang.